Blatt einer Nicotiana Rustica-Pflanze
Nicotiana Rustica-Blatt

Wissenspool

Die Accessoires des Schnupfers

Das Schnupfen war immer schon vom Niesen begleitet: Anfänglich schneuzte man in den Rockärmel, obwohl schon die alten Römer das Schweißtuch verwendeten und kultiviertes Niesen vormachten. Im 17. Jahrhundert erreichten die "Sacktücher" endlich auch Frankreich und Mitteleuropa, wobei sie zunächst - in genormter Größe und aus Seide - den Privilegierten vorbehalten blieben: Ein Edikt von 1615 schließt beispielsweise die Dresdner Bürgerschaft von seinem Gebrauch aus. Erst im beginnenden 19. Jahrhundert durften endlich alle das Taschentuch nutzen, das bis heute zur Grundausstattung eines Schnupfers gehört. Die Auseinandersetzung hat sich mehr auf "Stoff oder Papier?" verlagert: Vieles spricht für das traditionelle Stofftuch, doch fördern die unhygienisch anmutenden, braun verdreckten Waschmaschinenfüllungen heute tendenziell die moderne Wegwerf-Papiertuchmethode.

Dem Schnupfen (und Niesen) vorgeschaltet ist jedoch ein anderes Problem und dessen Lösung: Das Behältnis. Schnupftabak wurde bis ins 19. Jahrhundert offen verkauft, man musste mit einem Behältnis zum Händler gehen, das zudem einen unproblematischen Zugang zur kostbaren Prise erlauben sollte. Anfangs waren dies noch Bleidosen und Glasflaschen, als noch nicht das Pulver verkauft wurde. Dann kamen Schnupftabakdosen auf, die individuell gearbeitet wurden und zumeist einen doppelten Deckel mit einem privaten Geheimnis enthielten, etwa das Bild der Geliebten. Die originellsten, feinmechanisch hochentwickeltsten Dosen kamen aus der Schweiz und enthielten kleine Automaten oder winzige Spielwerke. Fast jedes Material vom Gold über Porzellan bis hin zum Pappmaché wurde verwendet, nur in der Schnupferhochburg Bayern blieb man dem Schnupftabaksglas treu. Die kunstvoll gearbeiteten, bemalten und oft beschliffenen "Glasl" oder "Büchsl" haben bis heute einen Stöpsel aus Wacholderholz mit einem Roßhaarbusch oder Fuchsschweif zum Nasenwedeln. Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass heute fast ausschließlich Einwegverpackungen gebrauchsüblich sind.

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