Junge Geudertheimer-Tabakpflanze aus Hochzuchtsaatgut
Geudertheimer-Pflanze

Wissenspool

Grundlagen der Kautabak-Herstellung

Es gibt nur noch wenige Herstellerländer für Kautabak, unter ihnen sind Deutschland, England und Schweden in Europa die größten. Die Kautabak-Herstellung als eine der ältesten Verarbeitungsformen für Tabak überhaupt hat sich in den letzten 200 Jahren kaum verändert, zahlreiche Verarbeitungsschritte sind im Zuge der Massenproduktion heute allerdings maschinisiert worden. Alle Schritte lassen sich jedoch auch mit einfachen Hilfsmitteln und Rezepten zuhause nachstellen: Wir möchten den industriellen Herstellern über die Schultern schauen und gleichzeitig Tipps für eigene Experimente geben.

Ausgangsmaterial für Kautabak sind schwere, zähe und zumeist sehr nikotinhaltige Rohtabake. Für den einheimischen Anbau kommen vor allem Kentucky, die dunklen Zigarrensorten wie Rot Front-Korso, Geudertheimer, Pereg oder Pergeu in Frage, aber auch Burley mit seinen besonders guten Soßierungseigenschaften.

Gute Kautabak-Blätter werden durch regelmäßiges Geizen und besonders frühes und tiefes Köpfen hergestellt. Dies führt zu "fetteren" und zäheren Blättern insbesondere in der oberen Pflanzenhälfte.

Bis ins 20. Jahrhundert wurden für die Kautabak-Herstellung vor allem nordamerikanische Kentuckytabake mit Segelschiffen nach Bremen importiert. Die Reise dauerte über den Golfstrom 90 Tage und führte durch die warme und feuchte Umgebung zu einer besonders guten Reifung der in Holzfässer gelagerten Blätter. Die heute für den Kautabak verwendeten Blätter werden daher ebenfalls mindestens 3 Monate zur Reifung gelagert.

Traditionell werden Kautabaksorten feuergetrocknet, indem die ganze Pflanze abgeschnitten und verkehrt herum mehrere Wochen über Hartholzfeuer aufgehängt wird. Das führt zu einer schnelleren Trocknung, die Blätter werden dadurch fester und ledriger und der Tabak erhält ein ganz eigenes Aroma. Heute werden Kautabakblätter, wie sie beispielsweise in der toskanischen Arezzo-Region hergestellt werden, Blatt für Blatt geerntet und wie Zigarrentabak luftgetrocknet oder über dem Feuer der Bergeiche (in den USA auch Tanne und Fichte) geräuchert.

Die getrockneten Blätter werden vor der weiteren Verarbeitung fermentiert, danach bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 8-12% - also fast brüchig - in luftdichte Holzfässer gepresst, wo sie zur Reifung nochmals einige Monate in kühlen und trockenen Kellern lagern. Dieser Rohtabak ist dann bereit für die Verarbeitung zu Kautabak. An Stelle von Holzfässern lassen sich auch luftdichte Gefäße am besten aus Keramik oder Emaille verwenden, möglichst jedoch nicht aus blankem Metall oder gewöhnlichem Holz.

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