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Ein alter (B)rauch: Über Weihrauch und Myrrhe

Zur selben Zeit, als in Mittelamerika Tabak in religiösen Kulthandlungen geraucht wurde, stieg auch im Christentum die Versinnbildlichung des Heiligen Geistes und der aufsteigenden Gebete der Gläubigen in den Himmel. Und zwar in Form von Weihrauch vermischt mit Myrrhe, die durch ein glühendes Kohlestück in Rauch aufgehen. Diese getrockneten Harze zweier unter extremen Bedingungen in Nordostafrika, Arabien und Vorderindien wachsenden Baumarten wurden den orientalischen Göttern schon vor über 7.000 Jahren geopfert - eine der ältesten Handelsstraßen im Orient trägt den Namen Weihrauchstraße. So kostbar war das Räucherwerk, dass die Heiligen Drei Könige es neben Gold als Gaben mit sich führten. Römischen Kaisern und Statthaltern ging beim Einzug in die Stadt eine weihräuchernde Gruppe voran, die nicht nur als Zeichen der Huldigung, sondern der Überdeckung des Kloakengestanks in den Straßen diente.

Einen weiteren Aspekt schildert die griechische Mythologie über die Entstehung des Myrrhe-Baumes: Demnach wurde Smyrna, die Tochter des Priesters und Königs Kinyras von Zypern, von ihrem Vater geschwängert. Sie brachte Adonis zur Welt und verwandelte sich in einen "Smyrna-Baum" - das griechische Wort für Myrrhe oder "Bitterkeit". So steckt in der spirituellen Rauchwolke auch immer der Geist menschlicher Ur-Tragödien. Oder zumindest der Wunsch, diese in Rauch aufzulösen.

Nicht zuletzt deshalb wählten unsere Vorfahren einen Rauch, der benebelt: Zuletzt versetzte 1993 ein Bericht über die bewusstseinserweiternde Wirkung von Weihrauch aus dem niederösterreichischen Hürm das Land in Angst und Schrecken. Von einer "ernstzunehmenden Bedrohung der Volksgesundheit" war die Rede, die in einer gesundheitsministerlichen Untersuchung über Weihrauch als Rauschmittel endete. Die Ergebnisse der Suchtgiftüberwachungsstelle des Österreichischen Gesundheitsministeriums wurden nie veröffentlicht. Heute ist die psychoaktive Wirkung zumindest von Weihrauch jedoch unbestritten, immerhin wurde mit Myrrhe und Weihrauch versetzter Wein schon in der Antike als Schlaftrunk und zur Betäubung von Hinrichtungskandidaten gereicht. Jesus allerdings lehnte diesen Trunk bei seiner Kreuzigung ab.

Schließlich hat das Räucherwerk einen auch schon seit Urzeiten genutzten Vorteil: Der duftende Qualm kann Ungeziefer vertreiben. Tatsächlich nimmt bei der regelmäßigen Verwendung die Zahl der Mücken und Fliegen dramatisch ab. Den Duft aus der Wohnung zu bekommen dürfte allerdings weit schwieriger sein als das Geschmeiß auf herkömmliche Weise zu vertreiben. Es ist die Ur-Tragödie des Rauchens und Räucherns schlechthin.

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