Zigarrentabak-Hangtrocknung
Tabak-Hangtrocknung

Wissenspool

Pfeifentabak selbst gemacht - ein √úberblick

Einf√ľhrung

Weit entfernt vom "Minutengenuss" der Zigarette gibt es eine kleine Gruppe von Individualisten, die in Behaglichkeit rauchen und nicht selten durch eine stattliche Sammlung von Rauchger√§ten die letzten Geschmacksnoten eines neuen Tabaks zu ergr√ľnden suchen. Das Pfeifenrauchen hat eine sehr lange Tradition, weshalb es heute auch eine un√ľberschaubare F√ľlle von Pfeifenformen und -arten sowie von Pfeifentabaken gibt. Als das Rauchen im Kontinentaleuropa des 17. Jahrhunderts aufkam, existierte bereits ein reges Schnupftabakgewerbe. Pfeifenraucher der ersten Generation haben noch ganze Bl√§tter oder die zur Schnupftabakherstellung vorgesehenen geso√üten Karottenbl√§tter direkt vom Tabakspinner gekauft und selber geschnitten. Aus dieser Entwicklung heraus entstanden zahlreiche Tabakarten, wobei die heute noch erh√§ltlichen gepressten und geso√üten Bl√∂cke ("Flake Cut") oder geschnittenen Gespinste ("Curley Cut") zum selber zerkleinern an die Urgr√ľnde des Pfeiferauchens erinnern. Schnitt-Tabake entstanden erst vergleichsweise sp√§t mit den gro√üen Tabakmanufakturen.

Wird der Tabak komplett selber hergestellt, sollte man mit den Schnittmischungen beginnen. Grunds√§tzlich wird der Pfeifentabak in √§hnlicher Weise wie Zigarettentabak hergestellt, jedoch st√§rker mit W√ľrztabaken sowie oft mit einem Anteil an kurz anger√∂steten Tabaken (Burley, Kentucky) durchsetzt.

Tabaksorten

Die Hauptsorten f√ľr Pfeifentabak sind:

Burley:
Hellbrauner luftgetrockneter Tabak mit besonders aufnahmef√§higer Zellstruktur. Er darf wegen seiner √§u√üerst hohen Absorptionsf√§higkeit in keiner Mischung fehlen, die so√üiert und aromatisiert wird. Unbehandelt wird er oft ger√∂stet, wobei sein kakaoartiges Aroma dann besonders deutlich zum Vorschein kommt. Pfiffige Mischungen bestehen au√üerdem aus feuergetrocknetem, also √ľber Hartholz ger√§uchertem Burley. Einige meist dunkle Rauchtabakmischungen basieren auf Burley als Hauptmischungsbestandteil.

Virginia:
Heller Tabak f√ľr amerikanische und englische Mischungen. Es handelt sich im Grunde um einen F√ľlltabak, der bei gr√∂√üeren Mengen anderer Sorten geschmacklich kaum zum Tragen kommt, wobei die unteren Bl√§tter der Pflanze f√ľr reine Virginiamischungen verwendbar sind. Heller Virginia neigt allerdings zum schnellen Abbrand, weshalb vor allem Orienttabake zur Harmonisierung von Geschmack und Abbrand beigemischt werden. Virginia wird normalerweise √ľber 4-5 Tage in R√∂hren√∂fen hei√üluftgetrocknet, wodurch er seine helle gelbe Farbe erh√§lt. Im kleinen Ma√üstab ist nur die Lufttrocknung praktikabel, wodurch das Blatt Zucker verliert. Die eigene Virginiamischung sollte daher so√üiert werden.

Orient:
Die relativ kleinw√ľchsigen Orientsorte haben es in sich: Sie wachsen auf kargen B√∂den sowie auf hohen Berg- oder Hanglagen und haben zwar kleine, aber sehr gehaltreiche, fast speckige Bl√§tter. Sie enthalten einen sehr hohen Anteil an Zuckerstoffen, aromatischen √Ėlen und Harzen, weshalb sie nicht fermentiert, sondern nach Trocknung 1-2 Monate gepresst gelagert werden. Eine Sonderform ist der nordsyrische Latakia: Dieser Orienttabak wird √ľber Hartholzfeuer getrocknet und immer wieder mit Wasser √ľbergossen, wodurch er seine tiefschwarze Farbe und sein kr√§ftiges Aroma erh√§lt. F√ľr den eigenen Anbau ist allenfalls die traditionelle Art der Trocknung praktikabel: Die syrischen Kleinbauern haben den Tabak zum Trocknen in der K√ľche aufgeh√§ngt.

W√ľrztabake:
In Rauchtabakmischungen sind geringe Anteile besonders w√ľrziger Tabake enthalten, die der Mischung ihren Charakter geben. Zu ihnen geh√∂ren Kentucky und Maryland, die unteren Bl√§tter dunkler Zigarrentabake sowie Perique, einer Spezialit√§t aus dem amerikanischen Lousiana, die ihren Charakter durch mehrj√§hrige Fasslagerung mit Pflaumensaft und Fr√ľchten erh√§lt. F√ľr die eigene Mischung k√∂nnen auch kr√§ftige naturbelassene Tabake aus dem Handel als W√ľrztabak verwendet werden.

Typische amerikanische Mischungen bestehen haupts√§chlich aus so√üierten und aromatisierten Virginia- und Burleytabaken sowie aus ungeso√üten Orient- und W√ľrztabaken, wobei nicht selten 20 Sorten vermischt werden. Englische Mischungen basieren auf Virginia- und Orienttabaken und erhalten ihren Charakter durch verschiedene W√ľrztabake, allen voran Latakia. Au√üerdem haben sich holl√§ndische und d√§nische Mischungen aus sehr verschiedenen Provenienzen einen Namen gemacht. Die "richtige" Mischung h√§ngt sehr stark von Boden, Klima, Pflege, Verarbeitung und dem Blattstand ab, weshalb sie immer wieder neu zusammengestellt wird. Generell sind die im Halbschatten wachsenden Bl√§tter im unteren Drittel der Pflanze aromatischer, "fetter" und nikotin√§rmer, f√ľr die ersten Schritte daher besser geeignet als die oberen Bl√§tter.

Anbau, Pflege, Ernte und Trocknung

Rauchtabak wird √§hnlich wie Zigarettentabak behandelt: Auss√§en, pikieren, Setzlinge nach 8 Wochen auspflanzen und Bestand pflegen. Beim K√∂pfen k√∂nnen sich die ersten 1-2 Bl√ľten entwickeln, bevor hoch (unterhalb des ersten Bl√ľtenansatzes) gek√∂pft wird. Je nach Verwendung wird etwas vorreif oder vollreif geerntet: F√ľr Feinschnitt (kleine Pfeifenk√∂pfe/kurze Pfeifen) vollreif, also nach etwas hellerer Blattverf√§rbung, f√ľr Grobschnitt (gro√üe Pfeifenk√∂pfe/lange Pfeifen) leicht vorreif in noch relativ gr√ľnem Zustand √§hnlich wie beim Zigarrentabak. Getrocknet wird wie beim Zigarettentabak: Auff√§deln, trocknen lassen, nach einigen Wochen abnehmen, wenn die Bl√§tter braun und griffig sind, also beim Zusammenkn√ľllen nicht brechen.

Verarbeitung

Beim So√üieren und Aromatisieren werden Virginia- und Burleysorten am besten zusammen behandelt, sie k√∂nnen auch in geschnittenem und bereits vermischtem Zustand so√üiert werden. Orienttabake werden nicht so√üiert, sondern nach Trocknung noch einige Monate gepresst gelagert. Die anderen W√ľrztabake werden am besten kurz (1-2 Wochen) fermentiert, bei Grobschnitt auch l√§nger.

Naturbelassene Burleysorten k√∂nnen nach dem Schneiden auch ger√∂stet werden, indem sie einige Minuten unter st√§ndigem Mischen und R√ľhren einer h√∂heren Temperatur von bis zu 100¬įC ausgesetzt werden. Im Backofen beispielsweise, oder vor einem W√§rmestrahler. Dabei sollte der Tabak nie aus den Augen gelassen werden, denn er verbrennt relativ schnell.

Weitere Infos im Tabakanbau-Forum

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